KONTEXTUR

 

Wettbewerb für Umstrukturierung des ehemaligen Spinnereiareals an der Schützenstraße in Hof

in Kooperation mit Ina Ketterer freie Architektin und Stadtplanerin und Schott Architekten

2020

Kontextur (von lat. contexere, dt. „zusammenweben“)

„Im Anfang war die textile Kunst“ (Gottfried Semper, 1860)

 

Textile Gewebe entstehen durch die kreuzweise Verflechtung zweier Fadengruppen. Dieses Motiv dient als Leitgedanke für die hier vorgeschlagene räumliche Struktur und die Einbindung des vorgefundenen Bestands.

Es beinhaltet das Verweben von Stadt und Landschaft, von Gebäuden und Freiräumen, von Bestands- und Neubauten, von Plätzen und Grünflächen, von Baumreihen und Häusern, von öffentlich und privat, von Wohnen, Zusammenleben, Lernen und Arbeiten.

 

Durch das entstehende urbane Gewebe sollen vorhandene, noch voneinander getrennte Stadtstrukturen miteinander vernetzt werden, indem das Hoftex-Quartier um die ehemalige Vogtländische Baumwollspinnerei zum verknüpfenden Element innerhalb wichtiger städtischer Wegeverbindungen wird. Über die Ausbildung neuer Quartierseingänge und attraktiver Durchwegungen, beispielsweise durch die Herstellung einer großzügigen Öffnung durch das ehemalige Spinnereigebäude hindurch entsteht ein Gelenk zwischen östlich gelegenem Zentrum und Kulturareal um Theater, Hofer Symphoniker und Freiheitshalle im Westen sowie zum südlich gelegenen neu geplanten Bahnhof „Hof-Mitte“.

 

Zugleich geht die geplante Neubebauung strukturell auf die unterschiedlichen Körnungen und die typologische Vielfalt der vorhandenen Stadtbausteine ein und fügt lineare Elemente aus den ehemaligen Bahnhofsgebäuden mit dem Maßstab des stadtbildprägenden Baukörpers der imposanten Baumwollspinnerei zu offenen Hofstrukturen zusammen. Durch versetztes Anordnen der Baufelder bilden sich öffentliche Freiräume als Quartiersplätze und Grünzonen, die zu Trittsteinen innerhalb der Durchwegung des Gebiets werden.

So entstehen rund um den Bestand moderne Blöcke aus jeweils Ost-West-orientierten Stadthäusern und Nord-Süd-orientierten Zeilen. Die Blöcke verdichten sich in Richtung Osten und öffnen sich nach Westen zum baumbestandenen Hang in Richtung Hochstraße, wodurch der bestehende Landschaftsraum durch grüne öffentliche und halböffentliche Grünzüge ins Quartier hineingezogen werden kann.

Zu den Plätzen hin werden mit den Stadthäusern klare Raumkanten ausgebildet. Hier können vor allem in den Erdgeschosszonen auch andere Nutzungen vorgesehen werden. In den Gebäuden, in denen auch im Erdgeschoss Wohnen angedacht ist, soll dieses als Hochparterre ausgebildet werden, um den Bewohnern eine gute Privatheit zu garantieren.

 

Neben der Wohnnutzung sind Sonderwohnformen wie Seniorenwohnen und Jugendherberge/Hostel sowie eine Kindertagesstätte und ein „Stadtsalon“ als Familien- und Jugendzentrum mit angegliederter Bibliothek an wichtigen Punkten im Quartier verteilt und dienen als Ergänzung zu den insbesondere im Erdgeschoss des Spinnereigebäudes vorgesehenen Gewerbe-, Dienstleistungseinheiten und kulturellen sowie Freizeiteinrichtungen.

 

Für das Gesamtareal ist eine klimaneutrale Energieversorgung vorgesehen, indem Geothermie durch oberflächennahe Erdwärmesonden im Straßenverlauf des Neubaugebiets über ein kaltes Nahwärmenetz (KNW) an die Gebäude verteilt wird und dort über dezentrale Sole-Wasser-Wärmepumpen zur Beheizung und Warmwasserbereitung genutzt wird.

Die Stromversorgung der Wärmepumpen erfolgt ebenfalls klimaneutral aus den PV-Anlagen auf den Gebäudedächern, wobei diese an ein Arealnetz angebunden werden, das zentral im Untergeschoss der Spinnerei gesteuert, Strom zwischengespeichert und bedarfsgerecht an die umliegenden Nutzer und die E-Mobiliäts-Hubs verteilt werden.

©2021 by Emily Murphy.

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